Final Fantasy VII – Retro-Rollenspiel und Artefakt der Jugend

Ich kaufte mir 1997 die Sony Playstation eigentlich nur wegen eines einzelnen Spiels – hatte für den November extra ein paar Wochen Urlaub genommen. Klingt verrückt, war auch so. Pünktlich zum Release stand ich im Laden, kaufte Final Fantasy VII, schaltete die Türklingel ab und war für die nächsten Wochen nicht erreichbar. Und heute, gut 17 Jahre später, hat es noch immer seinen festen Platz. Es wurde quasi zum Artefakt der späten Jugend. Warum das so ist, und warum für mich nur eine Handvoll Spiele diesen Status haben, will ich nun näher erläutern.

Final Fantasy VII (1997) – Retro Rollenspiel und Meilenstein

Final Fantasy VII (1997) – Retro Rollenspiel und Meilenstein

Final Fantasy VII wird allgemein noch immer als eines der besten und einflussreichsten Rollenspiele hochgelobt. Von vielen Fans der Serie vergöttert, von einigen sogar gehasst. Für treue Fans der ersten Stunde kennzeichnet der siebte Teil oft den Bruch zum Mainstream, wo Inhalte immer mehr durch Grafikblenderei und Japano-Kitsch ersetzt wurden. Und je erfolgreicher die Marke Final Fantasy wurde, umso größer wurde für den nächsten Ableger das Budget und die Liste der Personen, die daran beteiligt war. Ganz zu schweigen von den immens wachsenden Release-Zyklen – was Final Fantasy XV, dessen Entwicklung im Jahr 2006 begann und noch immer nicht abgeschlossen ist, bitter bestätigt.

Final Fantasy VII – worum ging’s nochmal?

Die Geschichte spielt diesmal nicht im vom Mittelalter beeinflusster Umgebung, sondern in einer Welt ähnlich der unserem, wo Technologie und die sog. „Mako-Energie“ eine zentrale Rolle spielen. Diese Art von spiritueller Energie wird vom gewaltigen Shinra-Konzern zur Energiegewinnung abgebaut, was langfristig wohl das Ende des Planeten bedeutet. Hier folgt man als Spieler zu Beginn einer Widerstandstruppe in der durch Umweltverschmutzung geplagten Stadt Midgar, um gegen Shinra und deren Ausbeutung der Planetenenergie anzukämpfen. Im Verlauf des ersten Drittels des Spiels stellt sich allmählich heraus, dass Shinra nicht das einzige Übel ist, der wahre Antagonist nämlich Sephiroth heißt – das Ergebnis eines durch Injektion von außerirdischen Zellen entstandenen Bio-Experiments. Dieser hat die fixe Idee, durch einen beschworenen Meteor mit dem Planeten zu verschmelzen und alles Leben auszulöschen. Bevor man das im Endkampf natürlich verhindert, vergehen etliche Spielstunden mit allerlei Kämpfen und Charakterentwicklung, begleitet von etlichen Reisen durch unterschiedlichste Regionen auf der Weltkarte.

Über die aus vielen Töpfen bunt zusammengekochte Geschichte mag man denken wie man will. Zweifelsfrei war aber die Gesamtkomposition aller Elemente zu jenem Zeitpunkt so außergewöhnlich und beeindruckend, dass man sie in keinem anderen Spiel dieser Zeit fand. Die beeindruckenden Rendersequenzen, der Story-Mix um Umweltzerstörung, Ökoterrorismus, Großkonzerne, genetische Experimente und Spiritualität. Das kunstvolle Setting mit einem Anstrich aus Cyberpunk und Retro-Futurismus. Das Materia-System – kondensierte Mako-Energie mit magischen Effekten, die in Waffen und Rüstung eingefügt werden konnte. Exorbitante Bosse und natürlich der bunte Haufen an Charakteren machten das Spiel zu einem wahren Unikat. In welchem anderen Spiel trifft man schon auf eine wahrsagende Katze, die auf einem ferngesteuerten Stofftier reitet?

Final Fantasy VII – retrospektiv betrachtet

Betrachtet man Final Fantasy VII aus heutiger Sicht, dann sind einige Spielelemente nicht optimal gealtert. Dazu zählt vor allem das Kampfsystem mit den zeitfressenden Abschluss-Animationen, die man nicht verkürzen oder deaktivieren konnte. Auch fällt der Stilbruch zwischen den vorgerenderten Hintergrundbildern und den von der PS1-GPU in Echzeit gerenderten Kämpfen bzw. der 3D-Oberwelt deutlich auf. Andererseits sind das kleine Wermutstropfen, die der damaligen Hardware geschuldet sind, und durch die noch immer vorhandenen Stärken des Spiels kaum ins Gewicht fallen.

Die große Leistung ist und bleibt die Transzendenz des Alltagsbewusstseins, die das audiovisuelle Zusammenspiel etlicher kunstvoller und fast schon magischer Spielszenen schafft. Das surreale Farbklima mit den widernatürlichen Lichteffekten, dazu ein dermaßen dichter Soundtrack vom Komponisten Nobuo Uematsu, der wie Turbo-Äther in fremde Welten wirkt. Das schafften nur eine Handvoll Spiele.

Und genau diese magischen Momente verflüchtigten sich mit jedem weiteren Ableger der Serie immer mehr. Und wenn ich ehrlich bin, waren sie mit dem dreizehnten Teil komplett futsch. Das war für mich auch der Wendepunkt der Serie, wo das Durchspielen zum ersten Mal eine Erleichterung war. Im Gegensatz zu den drei Vorgängern der PS1-Ära, wo ein Abschied auf Zeit immer schmerzlich wirkte und man sich damit tröstete, das Spiel in ein oder zwei Jahren bestimmt noch einmal hervorzukramen.

Autorenbild

Dirk

Als ein Kind der späten 1970er schreibt Dirk über all die Dinge, die sich in den letzten 30 Jahren für ihn verändert haben. Dabei kramt er nicht nur alte Computer- und Videospiele wieder hervor, sondern untersucht auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Seine zentrale Frage beschäftigt sich damit, warum gewisse alltägliche Dinge der Kindheit und Jugend später einen besonderen Status erhalten.

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2 Kommentare

  • Professor Retro
    30.11.2014, 9:25 Uhr.

    Und wer das Spiel noch nicht kennt, unbedingt vorher eine Röhrenglotze auftreiben! Auf HD-Flachbildschirmen geht vieles der im Artikel erwähnten Magie verloren! Das nur als kleiner Tipp 🙂

  • Cloud81
    05.12.2014, 16:47 Uhr.

    In der Werbung zu FFVII stand damals „Der erste Traum mit offenen Augen“. Besser kann man es nicht ausdrücken.