Zwei Jahre „Retrogressive Sessions“ – Jubiläums-Mix zum Sound von 1995

Die Retropie-Sommerpause ist vorbei und mit der dunklen Jahreszeit beginnt nun auch wieder das Retro-Fieber. Los geht‘s mit dem zweijährigen Jubiläum meiner Mix-Serie „Retrogressive Sessions“. Dazu der passende, zweistündige XXL-Mix mit etlichen Progressive-, Techno– und Acid-Highlights von damals. Mit Trance war es 1995 bereits vorbei, dafür kann man dieses Jahr locker als kreative Blütezeit progressiven Technos beschreiben. Reisen wir nun musikalisch zurück und lassen ein paar Erinnerungen wieder aufleben.

Zwei Jahre "Retrogressive Sessions"

Zwei Jahre „Retrogressive Sessions“

Retrogressive Sessions – Wie alles begann …

Es ist inzwischen gut drei Jahre her, wo ein Schlüsselerlebnis mich auf die Idee brachte, die Musik von damals neu abzumischen. Ich schaute mal wieder Trainspotting, den Kultfilm der späten Jugend schlechthin. Und dann war dieser eine Track im Hintergrund: Underworld – Dark & Long (Dark Train). Was ein Hammerding! Wie konnte ich dieses Stück vergessen? Und gleichzeitig kratzten etliche andere Tracks an der Erinnerung, wo mir weder Künstler, Label noch sonstwas bekannt oder einfach entfallen war. Nur Fragmente eines Sounds. Irgendwann gehört auf alten Platten, Mix-Tapes, in Clubs oder im Radio auf Steve Masons Experience-Show.

Trainspotting - Schlüsselerlebnis für "Retrogressive Sessions"

Trainspotting – Schlüsselerlebnis für „Retrogressive Sessions“

Auch ärgerte ich mich, dass ich vor zehn Jahren aus Geldmangel meine komplette Vinyl-Sammlung mit mehreren hundert Platten bei eBay verkaufen musste. Und da waren neben Massenprodukten auch etliche Raritäten dabei, die inzwischen auf Discogs Höchstpreise erzielen. Toll … und bis auf die Auktionsbilder war mir nichts davon geblieben. Als ich daran dachte, dass ich die „Chalke – The Ressurection“, dem einzigen Breakbeat-Release von 1993 auf Force of Nature-Records in „mint“ besessen hatte und für ein paar Öcken verramschen musste, wurde mir ganz anders. Sei es drum, ich brauchte nicht lange nachzudenken und der Entschluss stand fest.

Ich wollte alle verlorenen Tracks irgendwie identifizieren und reanimieren. So begann in der folgenden Zeit eine lange Recherche auf Discogs, die Tracklists der Experience-Show wurden verglichen und in die alten Tapes von damals wurde wieder reingehört. Immer dann, wenn ein Track identifiziert wurde, kam der schwierige (und oft kostspielige Part). Wo das Teil her bekommen? Ein Großteil lies sich recht einfach über eBay oder Amazon erwerben, bei einigen Raritäten hingegen musste altes Vinyl für teuer €ash im Ausland bestellt und dann aufwändig remastert und digitalisiert werden. So wuchs die Musiksammlung (mal wieder) und „Retrogressive Sessions“ war geboren.

Jubiläums-Mix mit einigen Highlights von damals

Zugegeben, echte Raritäten sind nicht dabei. Dafür viele bekannte Highlights, die auch Steve Mason damals in seiner Show vorgestellt hatte. Zu einigen Tracks will ich noch schnell ein paar Worte loswerden.

DJ Gilb’r brachte einen Track namens „Pressure“ heraus. Ein recht hörenswertes Drum’n’Bass-Stück, das dann aber vom Altmeister Laurent Garnier neu interpretiert und noch übertroffen wurde. Und der machte daraus einen minimalen und gleichzeitig sphärischen Remix, der noch heute zu meinen Favoriten jener Zeit gehört.

Wer erinnert sich nicht an „Green Velvet – Flash“, den abgedrehten und knüppelharten Chicago House-Track von 1995. Der wurde von den Acid-Spezialisten Acrid Abeyance remixt. Heraus kam ein progressives, deutlich weniger brachiales Acid-Stück, das aber glücklicherweise nicht um die schrägen Vocals erleichtert wurde.

Good evening parents!
Tonight I’m gonna take you on a tour …
Where the bad little kiddies go.
By any means necessary.
Some things that you quite won’t be accustomed to.

Would you know it’s not here than more than 30 seconds,
and already I see a bad little kid doing bad little things.
He is sucking on a balloon!
Now this is not an ordinary balloon, parents.
It is a balloon filled with nitrous oxide …

Laughing gas
Laughing gas (He he he ha ha)
(He he he ha ha)

But this is no laughing matter.
Cameras ready prepare to flash

Green Velvet – Flash (Lyrics)

Dann sind da noch „Slam – Positive Education“ und „David Holmes – Minus 61 in Detroit“. Zwei  zeitlose Techno-Tracks, die von Steve Mason rauf und runter gespielt wurden. Und die in den letzten zwanzig Jahren so wenig gealtert sind und noch immer Kultstatus genießen.

Zu guter Letzt darf ein deutsches Projekt, wenn es um den Sound von 1994 bis 1996 geht, natürlich nicht fehlen. Die Krefelder TB 303-Profis Hardfloor sorgten in den Neunzigern für etliche Clubhits und remixten auch viele bekannte Stücke. So sind sie im folgenden Mix auch gleich dreimal vertreten.

 Retrogressive Sessions – Tracklist und ab in the Mix!

Und hier nun der Mix zum zweijährigen Jubiläum. Etwas länger als sonst, dafür eine bunte Mischung aus Techno, Acid, House und Progressive. Viel Spaß damit!

Mighty Dub Kats – Magic Carpet Ride (Son Of Wilmot Mix) [EotS 1995]
X-Press 2 – Say What [Junior Boy’s Own 1993]
Aftrax – The Mask [Novamute 1995]
Hardtrax – Electrophunk [Probe 1994]
X-Press 2 – London Xpress (The Journey Continous) [On The Beat 1993]
The Sounds of Impermanence – Impermanence [Alien Funk Movement 1997]
Terry Lee Brown – Tribal Nova [Plastic City 1995]
Quazar – One [Seven Stars 1995]
Slam – Positive Education [Soma 1995]
David Holmes – Minus 61 In Detroit [Go! Beat 1995]
Baby Doc & The Dentist – Mantra to the Buddha (Hardfloor Mix) [TeC 1995]
Steve Mason – Conception Vessel [Experience Grooves 1996]
Gilb’r – Pressure (Laurent Garnier Mix) [Versatile 1996]
Green Velvet – Flash (Acrid Abeyance Mix) [Hyper Hype 1995]
Reysan Khan – Shi-Du (F.E.O.S. Mix) [Universal Prime Breaks 1995]
Afrotrance – Spiritual Energy [Harthouse 1994]
Humate & Rabbit In The Moon – East [Superstition 1994]
Katana – Erotmania (Hardfloor Mix) [Think Green 1994]
Two Doo – Sexual Intercourse [Alphabet City 1995]
Hardfloor – Beavis At Bat (Swag’s Touch 1st Base Mix) [Harthouse 1996]
Freak Force – Yeah Right [Taste 1995]
Underworld – Dark And Long (Dark Train) [Junior Boy’s Own 1994]

Autorenbild

Paul Katz

Paul Katz schreibt über alles, was mit elektronischer Retro-Musik zu tun hat. Die Jugend in den frühen 90ern verbracht, kaufte er sich um 1994 zwei Turntables plus Mixer, allerlei Techno- und Trance-Vinyl, und experimentierte fleißig herum. Mangels Zeit und Erfolg hing er sein Hobby wenige Jahre später an den Nagel, verkaufte das gesamte Equipment und widmete sich dem Beats vorerst nur noch als Zuhörer. Bis ihn 2013 das Retropie-Fieber packte ...

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden generell geprüft, bevor sie freigeschaltet werden. Zwielichtige Kommentare und Links werden nicht veröffentlicht.