Arcade-Automaten – Ära der Videospiel-Groschengräber

In den Achtzigern gab es etwas Verlockendes, das wie ein Magnet an öffentlichen Plätzen wie Gaststätten, Kinos, Imbissbuden und Supermärkten herumlungerte. Spielen gegen Geldweinwurf – die Zeit der Arcade-Automaten. Hat man die Kindheit in den frühen Achtzigern verbracht, erinnert man sich vielleicht noch, welche Leuchtkraft die frühen Automaten und Spielekonsolen auf Kinderaugen ausübten. Zu der Zeit gab es in neben Atari 2600 und ColecoVision eigentlich nur ein paar Nischenprodukte sowie den Intellivision von Mattel. Dieses braune Ding mit den seltsamen Controllern stand auch daheim im Wohnzimmer als meine erste Videospiel-Konsole. Aber so richtig geflasht haben mich die Automaten. Einziges Problem: Man musste zum Spielen ständig eine D-Mark nachwerfen.

Arcade-Automaten von damals (Mortal Kombat 2 und 1942)

Arcade-Automaten von damals (Mortal Kombat 2 und 1942)

Arcade-Automaten waren stationäre Geräte mit Joystick, großen Buttons und Bildschirm, auf denen genau ein Videospiel fest verankert war. Da die Spiele eine eigene Platine hatten, war die Hardware an das Spiel angepasst, nicht umgekehrt wie bei den Heimkonsolen. Daher war in Sachen Performance, Audio, Auflösung und Farbpalette deutlich mehr drin als bei den Wohnzimmerkonsolen. Die analogen Monitore waren bis auf wenige Ausnahmen meist vertikal ausgerichtet und die Auflösung der frühen Varianten lag bei 240 × 256 Pixeln. Für den Einwurf einer D-Mark konnte man solange spielen, bis die Anzahl an Leben bzw. Credits verspielt war. Und das ging meist recht flott.

Goldene Ära in den Achtzigern

Als goldene Ära der Arcade-Spiele gelten die Achtziger. Und das war auch die Zeit, wo mich diese für Kinderaugen gigantischen Kästen mit 1,80m Höhe so fasziniert hatten. Spiele wie „Pac Man“, „Donkey Kong“ oder „Galaga“ standen überall dort herum, wo Laufkundschaft war. Selbst bei Karstadt im Untergeschoss stand ein Automat, und bei jedem Einkauf wurden die Eltern angefleht, um für ein paar Minuten an diesem Wunderding zu zocken. Mehr als ein paar Minuten waren auch selten drin, da fast alle Spiele so konzipiert waren, dass ein Leben schnell verloren war, man den „Continue-Timer“ mit einer neuen Münze quittierte und dann weiter spielen durfte.

Im Jahr 1985 drehten dann unsere selbsternannten Jugendschützer am Rad. Es war die Zeit, wo harmlose Horrorfilme bis zur Unkenntlichkeit zerschnippelt und trotzdem noch beschlagnahmt wurden. Ein ähnliches Schicksal bezwang durch die Neuregelung des Jugendschutzgesetzes in der Öffentlichkeit (JÖSchG) auch die Arcade-Automaten. Unter 18 Jahren durften sie nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht werden, wurden somit faktisch über Nacht in Spielhallen für Erwachsene verbannt. Das war blöd. Aber glücklicherweise haben sich nicht alle daran gehalten. Wir Kinder kannten noch einen Kiosk und ein Kino, wo weiterhin die piepsenden Automaten rumstanden und sich niemand an Minderjährigen störte. Da hingen wir Knirpse noch 1987 ab und verzockten unser Taschengeld für Spiele wie „Psychic 5“ und „Flying Shark“.

Ansonsten fand der Kontakt mit Arcade-Automaten nach 1985 überwiegend im Ausland zur Schulferienzeit statt, wo absurde Gesetze wie in Deutschland wenig Zuspruch fanden. In Holland war ich von „Operation Wolf“ extrem angetan, hatte der Automat doch eine nachgebildete Uzi als Controller, mit der man auf Pixelsoldaten ballern konnte. In Österreich spielte ich bis zum Exzess „Silkworm“ und „Twin Cobra“. In Spanien „NARC“ und „Vendetta“. Es waren tolle Zeiten, und man versuchte nach den Ferien die Konvertierungen daheim auf dem C-64 nachzuspielen. Die Enttäuschung war aber immer groß, kamen die Umsetzungen nicht einmal annähernd an das Original heran.

Ende einer Ära in den Neunzigern

Anfang der Neunziger näherte sich die Hardwareleistung der Heimkonsolen immer mehr der Automatenleistung. Die goldene Ära ging langsam zuende. Auch sahen immer weniger Spieler einen Sinn darin, ständig Kleingeld nachstecken zu müssen. Als ich in den frühen Neunzigern dann volljährig wurde, war mit den Kumpels der Besuch eine dieser ominösen Spielhallen angesagt. Aber so richtig überzeugt hat uns das alles nicht. Das „Mortal Kombat II“ hatte sich nur geringfügig von der SNES-Version unterschieden. Und „Ridge Racer“ gab es ja auch auf der Sony PlayStation. Auch die Atmosphäre in der Spielhalle war nicht besonders angenehm. Es roch nach Rauch, Schweiß und Verlierertum. Die trüben Gestalten, die dort tagtäglich abhingen und ihre Sozialhilfe in Glücksspielautomaten verzockten, waren irgendwie zu bedauern. So blieb es auch bei nur wenigen Besuchen einer Spielhalle und dem Wiedersehen mit den in den Achtzigern so vergötterten Arcade-Automaten.

Zeitreise zurück durch Emulation

Die Spiele von damals kann man heute alle problemlos mit Emulatoren wie MAME (Multiple Arcade Machine Emulator) auf dem PC wiederentdecken. Für ein kurzzeitiges Eintauchen in die Welt der Automatenklassiker macht das auch Spaß. Wenn man aber richtig eintauchen will, dann muss schon passendes Equipment her. Auf Flachbildschirmen wirken die Klassiker noch wenig authentisch. Neben einem Kathodenstrahlröhrenbildschirm (die Röhren-Glotze) sollte auch ein passender Joystick mit Buttons anstelle einer PC-Tastatur her. Wenn man genügend Zeit, Platz und Kleingeld hat, lohnt sich sogar der Erwerb eines Original-Automaten, den man sich einfach mal ins Wohnzimmer stellt und hofft, dass die Gattin nicht das Nudelholz zückt. Ansonsten bleibt nur die Erinnerung an die Faszination dieser haptisch einmalig erfahrbaren Geräte. Aber das ist ja auch was.

 

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Autor: Dirk

Als ein Kind der späten 1970er schreibt Dirk über all die Dinge, die sich in den letzten 30 Jahren für ihn verändert haben. Dabei kramt er nicht nur alte Computer- und Videospiele wieder hervor, sondern untersucht auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Seine zentrale Frage beschäftigt sich damit, warum gewisse alltägliche Dinge der Kindheit und Jugend später einen besonderen Status erhalten.

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