Bremer Straßenbahn damals und heute – Fahrschein lösen zur Vergangenheit

Was waren unsere Verkehrsmittel doch früher umständlich. Die Bremer Busse der Achtziger stanken nach Abgasen, und man musste sich beim Einstieg erst ein paar Stufen hinaufquälen, eine sinnfreie Schranke öffnen, um dann drinnen Platz zu nehmen. Die Straßenbahnen waren nicht viel praktischer. Haben zwar nicht nach Diesel gerochen, aber der Einstieg erforderte immer ein höheres Maß an Geschicklichkeit. Diese Zeiten sind lange vorbei, und das Stadtbild wird heute von modernen, barrierefreien und ökologisch wertvolleren Fahrzeugen bestimmt. Kein Grund also, den veralteten Fabrikaten noch nachzuweinen, oder?

Bremer Straßenbahn damals

Bremer Straßenbahn damals

1980er – mit der „Zigarre“ durch Bremen

Bremer Kindheit in den frühen Achtzigern. Die Stadt mit den gefühlten 364 Regentagen pro Jahr und einem zum Wetter passenden, umfangreichen und gut durchdachten Nahverkehrsnetz an Omnibussen und Straßenbahnen. Öffentlicher Nahverkehr hat in Bremen Geschichte, wurde doch die erste „Elektrische“ bereits 1892 in Betrieb genommen. Das war weit vor meiner Zeit, und meine ersten Erinnerungen formen sich aus beigen Straßenbahnen mit roten Streifen und grauer Dachlacklierung. Wir schreiben das Jahr um 1980.

(1981) T4 am Hauptbahnhof, Quelle: Kurt Rasmussen @ commons.wikimedia.org

(1981) T4 am Hauptbahnhof, Quelle: Kurt Rasmussen @ commons.wikimedia.org

Im Fachjargon heißen die ältesten Modelle Triebwagen der T4-Reihe oder „Hansa Großraumwagen“. Da diese Relikte aus den Fünfzigern damals nur noch auf der Linie 10 fuhren, waren sie im Volksmund unter dem Namen „alte Zehn“oder schlicht als „Zigarre“ bekannt. Sehr markant war das elektrische Motorengeräusch, ein sich in der Tonhöhe konstant steigerndes Röhren. Und natürlich das inhärente Klappern, Brummen und Rütteln während der Fahrt. Dazu in regelmäßigen Abständen ein schrilles Bimmeln. Der spartanisch eingerichtete Innenraum mit den braunen Holzbänken versprühte immer einen sehr eigenwilligen Geruch, den ich wahrscheinlich noch heute überall herausriechen würde. Und ich weiß noch genau, wie ich mich immer freute, wenn eine alte Zehn sich der Haltestelle näherte.

Neben den ganz alten Modellen bestand der Fuhrpark aus in den Sechzigern hergestellten GT4-Zügen. Diese waren dem alten Eisen recht ähnlich, etwas voluminöser und im Innenraum identisch spartanisch. Und sie waren sogar bis 1997 im regulären Einsatz. Aus heutiger Sicht bin ich immer wieder über das zeitlose Design erstaunt, das diese Bahnen formte. Als Kind hat man sich darüber natürlich keine Gedanken gemacht – eine Fahrt fühlte sich einfach nur gut an. Vielleicht ist das einer der Gründe für die vielen magischen Momente der Kindheit. Man nahm die Dinge einfach wahr, ohne sie verstandesmäßig in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Der Stilbruch erfolgte mit den rot-weißen GT4d-f, die in den Siebzigern hergestellt wurden. Hier war schon technischer Fortschritt deutlich zu spüren. Die Türen öffneten sich weitaus weniger ruppig und das berühmte Klappern während der Fahrt fehlte fast komplett. Auch im Innenraum hatte sich einiges getan. Für die Siebziger typisch, bestand dieser aus braunen Plastikbänken mit orange-braun kariertem Stoffbezug. Optisch so ansprechend wie eine Trabantensiedlung, aber durchaus bequem. Die Fahrkartenentwerter waren weiterhin laut ratternde, knallorange Metallklumpen.

Erinnerungen an die Busse

Bei den Bussen erinnere ich mich nur an zwei Modelle, die in Bremen regulär verkehrten. Der etwas ältere MAN Gelenkbus 225 und der MAN 200. Die ältere Variante war die mit der beigen Lackierung und den dunkelroten Ledersitzen. Die jüngere Generation fuhr in den rot-weißen Farben der „Bremer Speckflagge“. Beiden gemeinsam war das Kantige und Rohe, das heute im Nahverkehr komplett verschwunden ist. Kräftig durchgeschüttelt wurde man bei jeder Fahrt. Motor und Asphalt machten den Nahverkehr ungewollt zur Karussellfahrt. Immerhin kam man als Bremer immer gut an – stand ja auch als Eigenwerbung auf vielen Aufklebern.

1990er – Die junge Generation Niederflur

Gegen Ende der Achtziger kam der Gedanke der Barrierefreiheit so langsam aber sicher auch im ÖPNV an. Und so fuhr 1988 eine Sensation durch Bremen. Der erste Niederflurbus, den die Hansestadt gesehen hatte. Für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität längst überfällig. Dabei war die Technik keineswegs neu. Bereits 1976 stellte Neoplan den ersten Bus mit Niederflur-Technik vor. Die Nachfrage war aber gering und die Herstellungskosten weitaus höher als bei normalen Bussen. Es war wohl noch nicht die Zeit dafür. Zwölf Jahre später hatten die Bremer die Niederflur-Innovation sehr gut angenommen.

Und so dauerte es keine zwei Jahre, bis die erste Niederflur-Straßenbahn vorgestellt wurde. Für damalige Verhältnisse optisch hochmodern, leise und komfortabel. Bremen schmückte sich 1990 großzügig mit der ersten 100%igen „Niederflur-Elektischen“ der Welt, dem GT6N. Dass bereits 1911 in New York erste Niederflur-Straßenbahnen verkehrten, und auch ein Prototyp bei der Frankfurter Lokalbahn zwischen 1924 und 1954 im Einsatz war, wurde nicht erwähnt – wahrscheinlich, weil sie nicht zu 100 Prozent Niederflur waren. Wie dem auch sei, der GT6N war ein Prototyp, der als Einzelstück drei Jahre durch Bremen gondelte, bis das Serienmodell GT8N ab 1993 den alten Fuhrpark immer mehr ersetzte. Nichtsdestotrotz verkehrten bis Ende der Neunziger noch viele ältere Modelle im regulären Fahrplan.

(2010) GT8N Hauptbahnhof, Quelle: Uwca@commons.wikimedia.org

(2010) GT8N Hauptbahnhof, Quelle: Uwca@commons.wikimedia.org

Die Zeiten im ärmsten Bundesland hatten sich auch geändert, das bekam man auf einigen berüchtigten Linien hautnah mit. Es verkehrte der „Drogen-Express“ im Zehn-Minuten-Takt durch Bremen. Die Linie 10 von Gröpelingen bis Sebaldsbrück hatte bei Bremern diesen Spitznamen schnell weg. Kein Wunder, tummelten sich im hinteren Bereich doch allerlei Gestalten, denen man freiwillig nicht die Hand schütteln möchte. Wenn man Glück hatte, dösten ein paar Junkies friedlich vor sich hin. Wenn man Pech hatte, roch es schon beim Einstieg extrem und man bekam das Elend live und lautstark mit.

Das Klima wurde insgesamt rauer. Das zeigte sich auch bei der Fahrkartenkontrolle. Waren bis Mitte der Neunziger noch adrett in Uniform gekleidete Kontrolleure die Regel,